Vom 24.01.2008 bis zum 06.03.2008 waren wir zur Rehakur in Kölpinsee auf Usedom an der Ostsee:

 

Am 24.01. ging es früh halb 5 los Richtung Ostsee. Ich fuhr mit sehr gemischten Gefühlen da hoch. Einerseits macht man sich viele Hoffnungen dass es den Kindern was bringt, auf der anderen Seite hat man Angst es ist alles umsonst da vorher viele Ärzte unsere Hoffnungen zunichte gemacht haben mit den Aussagen: "Colin wird erstmal richtig krank werden und Antibiotika brauchen" und "Er ist noch viel zu klein für eine Kur - sie wird ihm nix nützen."

Naja, mittags waren wir dann endlich da und haben uns das Örtchen erstmal angeschaut. Es gab wirklich nix da bis auf 2 Kurkliniken, einem Edeka, einem Mini-Pferdehof und natürlich der Ostsee. Als ich das alles registrierte, wäre ich am liebsten sofort wieder heim gefahren! DA sollte ich also 6 Wochen allein mit 3 Kindern leben? Neeee, oder?

Abends ging mein Mann dann in seine Pension und wir waren allein. Die Tränen flossen in Strömen und auch die Kinder wollten absolut nicht ohne den Papa sein - aber was muss das muss...

Die ersten Tage waren sehr anstrengend. Man muss sich in den neuen Tagesablauf reinfitzen, es liefen einem so unheimlich viele neue Gesichter über den Weg und natürlich war ja alles so ganz anders als daheim. Die Kinder waren ebenfalls sehr ängstlich und klammerten sich an mir fest, fingen bei jeder Kleinigkeit an zu weinen und an schlafen war nicht zu denken... Anfangs hätte ich alles hinschmeißen und heimfahren können.

Unser behandelnder Arzt war ein Kettenraucher mit gelben Fingern und megaekligen Mundgeruch. Bei unserer Erstvorstellung waren seine ersten Worte, dass 2 meiner Kinder ja viel zu dick wären und abnehmen müssten. Äääähm, hallo? Deswegen waren wir doch gar nicht da! Und zu dick sind sie auch nicht! Aber gut... Er war auf jeden Fall sichtlich überfordert mit Colins Krankheitsbild und wusste auch nicht so richtig, was er nun mit ihm machen solle - stellte aber seine Cortisonration am Tag gleich höher.

Sein Therapieplan sah so aus, dass er ans Wasser gewöhnt werden sollte (wovor er eigentlich gar keine Angst hat), er musste 3x täglich mit Sole inhalieren, er hatte zweimal Krabbelstunde, ich erlernte in 2 Kursen die Klopfmassage für ihn, hatte 3 Elterschulungen in denen ich einiges über die obstruktive Bronchitis lernen sollte und er hatte geführte Wanderung im Kinderwagen(wer da eher gewandert ist ist da die Frage...!) Auf meine Bitte hin, dass er seine Physiotherapie weiterbekommen möge, kam anfangs die Antwort, dass es sowas in dieser Klinik nicht gäbe! Wie bitte??????? Nun ja, musste ich ja hinnehmen und dachte mir nur so im stillen, dass das ein Nachspiel hat. 3 Wochen später gab es dann doch plötzlich einen Physiotherapeuten im Haus und Colin bekam seine Übungen weiter.

Die Wassergewöhnung hatten wir ein einziges Mal. Das Wasser war 27 °C warm, aber der ganze Raum hatte 35°C - somit fühlte sich das Wasser unheimlich kalt an und Colin schrie wie am Spieß was ich so von ihm gar nicht kannte. Am nächsten Tag hatte Colin die erste seiner drei obstruktiven Bronchitis´  und ich verlangte die Streichung aus dem Therapieplan.

Leider hat Colin durch die Klimareizung eine Neurodermitis entwickelt. Laut der dort ansässigen Hautärztin wäre das absehbar gewesen da Kinder mit einer rezidivierenden obstruktiven Bronchitis sehr oft noch eine Neurodermitis entwickeln.
Die ersten 3 Wochen wurde gar nix gemacht. Trotz vielem Nachfragen und Drängen hieß es immer, es wäre noch nicht so schlimm dass man handeln müsse.
Colins Haut wurde indessen immer schlimmer, er kratze sich bis aufs Fleisch blutig und nachts wachte er bis zu 30 x schreiend auf und kratzte was das Zeug hielt.
Endlich wurde die Hautärztin aktiv und verschrieb ihm Teersalbe und für die Nacht zur Beruhigung Fenistil-Tropfen. 2 Wochen später wurde dann die Teersalbe abgesetzt und eine Harnstoffsalbe ersetzte sie. Im Großen wurde seine Haut jedoch nicht besser, aber auch nicht mehr schlimmer. Er tat mir einfach nur leid und ich konnte ihm nicht helfen...

Selina bekam als Therapie ebenfalls geführte Wanderung, Inhalationen und Mutter-Kind-Sport.
Bei dem Mutter-Kind-Sport sollten die Muttis mit ihrem Kind gestellte Aufgaben erfüllen. Dabei griff man sich manchesmal an den Kopf. Welches 2-jährige Kind kann denn bitte einen Luftballon in die Luft werfen, in die Hände klatschen und dann den Ballon wieder auffangen??? Naja...
Auch sie wurde in der Kur krank. Zweimal hatte sie einen hartnäckigen Infekt der oberen Luftwege mit Schnupfen, Husten, Heiserkeit und auch mit Fieber bis zu 40 °C. Bei dem 2. Infekt musste dann auch ein Antibiotikum ran da sie zusätzlich eine schlimme Mittelohrentzündung entwickelt hatte.

 Die Elternschulungen empfand ich als persönliche Zumutung. Die Ärzte, die diese Schulungen hielten, hatten alle zusammen keine Lust und brachten es auch so rüber. Zudem ging zu 99 % dieser Zeit nur um Asthma, nicht um die obstruktive Bronchtis. Nach der 3. Stunde dachte ich mir nur so, dass das für mich vergeudete Zeit war die ich hätte mit meinen Kinder viel sinniger verbringen können...

Ich hatte irgendwann eine Asthma-Bronchitis-Runde mit einer Psychologin in der die Eltern erzählen sollten, was ihr Kind hat und wie man damit umgeht. Als ich dran war Colins Geschichte zu erzählen kam alles wieder hoch und ich musste sehr weinen. Was mich sehr traurig und auch wütend gemacht hat ist, dass diese Psychologin dies sah und auch registrierte, aber in keinster Weise darauf einging. Auch nach Ende der Stunde kam sie nicht und frage, ob es wieder geht oder ob ich nicht mal ein Gespräch bei ihr in Anspruch nehmen wollte. Das dies möglich war erfuhr ich leider erst Wochen später als es für mich schon zu spät war.
Das darf es meiner Meinung nach nicht geben! Warum ist die Frau denn bitte eine Psychologin?
Am Ende der Kur gab es ein Abschlussgespräch und da habe ich dies auch gesagt und eine unbedingte Änderung empfohlen welche auch versprochen wurde.

Im Laufe der Wochen entwickelte sich mit einigen Mamas und deren Kindern eine schöne Freundschaft die es sehr erleichtert hat, die Zeit zu überstehen! Man hat gemeinsam gelacht, gemeinsam geweint und war zusammen draußen. Leider hatten die wenigsten der Mamas, so wie wir, eine Rehakur, sondern eine Vorsorgekur - sie waren also nur 3 Wochen da. Der Abschied fiel uns unheimlich schwer und wieder flossen die Tränen in Strömen und ich wäre so gern mit ihnen heim gefahren...

So fuhren viele, mittlerweile bekannte und lieb gewonne Gesichter gen Heimat und viele neue unbekannte Gesichter kamen. Aber auch da haben sich Freundschaften entwickelt die heute noch bestehen.

Im Großen und Ganzen kann ich behaupten, dass uns diese Kur gar nix gebracht hat. Ich habe viele Nerven gelassen, hatte für Jenny kaum Zeit da sie ja immer in die Betreuung musste während den Therapien der anderen beiden, kam mir sehr alleingelassen vor und habe mich oft gefragt, warum ich uns das angetan habe. Klar, man wollte das Beste für seine Kinder und dass es so in die Hose geht hat ja keiner geahnt.
Aber für uns steht fest, DAHIN fahren wir nicht nochmal.

 

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